Was ist eigentlich am Wacholder so besonders?

von Ulrich Siewers

(Foto: Ulrich Siewers)
(Foto: Ulrich Siewers)

Der zu den Zypressengewächsen gehörende Wacholder (Juniperus communis) ist ein immergrüner, spitzkegeliger, bis zu 15 m hoher Strauch, der annähernd 800 Jahren alt werden kann. Oft kommt er mehrstämmig als 3-5 m hoher Busch in recht verschieden gestalteter Form bei uns vor. Die Nadeln sind etwa 1 bis 2 cm lang, stechend, blaugrünlich, die Blüten sind klein, kätzchen- (männlich) oder knospenartig (weiblich). Die erbsengroßen, blaugrünen "Wacholderbeeren" sind in Wirklichkeit kugelförmige Zapfen. Das darin enthaltene "Fruchtfleisch" ist trocken, harzreich, sehr aromatisch und enthält drei Samen. Beeren und Samen des Wacholderstrauchs sind in ihrer grünen Form schwach giftig und werden deshalb von vielen Tieren gemieden.  

Der Wacholder stellt an den Boden kaum Ansprüche, liebt aber die Sonne und wächst deshalb bevorzugt auf sandigen oder felsigen Heiden, auch auf Kalkfels und in lichten Nadelwäldern sowie auf Matten im Gebirge. In Europa, Nordasien, Nordafrika und Nordamerika ist er weit verbreitet. Die niederliegende Gebirgsform, der nur 20-30 cm hohen Zwerg-Wacholder, kommt in 1600-3500 m Höhe vor und besiedelt auch Moore.

Wacholderschinken
Wacholderschinken

Das harzreiche, aromatisch riechende Holz wird gern als Räuchermehl (z.B. für den "Wacholderschinken") verwendet. Die Scheinbeeren des Wacholderstrauchs nutzen wir traditionell zum Würzen vieler Speisen. Ihr Aroma verleit dem Wacholderschnaps, der als "Steinhäger", "Gin", "Genever" oder "Borowitschka" (Borovicka) europaweit hergestellt wird, seinen herb-würzigen Geschmack. In Belgien ist er bekannt als Genièvre oder Péquet. Diese Spirituosenspezialitäten sollten ursprünglich gut gegen Cholera sein.

Der Name geht auf das althochdeutsche "wechalter" und mittelhochdeutsche "wecholter" zurück: althochdeutsch "wehal" oder "wachal" heißt wach, frisch, lebenserhaltend und "tar" Baum, also frisches, immergrünes Gehölz.

Aufforstungen, Überdüngung der Böden (u.a. durch stickstoffbelasteten Regen und abgestorbene Pflanzenteile) und Rostpilze gefährden den natürlichen Wacholderbestand in hohem Maße. Vor allem die fehlende Verjüngung (Nachwuchs) bereitet den Naturschützern große Sorge. Das Keimen der Neusaat auf den devastierten (aus lat. devastare = "gänzlich verwüsten, leer machen, vernichten") Flächen unserer Wacholderheiden wird daher mit Spannung erwartet.

Zu was braucht man das Holz des Wacholders ?

Querschnitt
Querschnitt

Heutzutage wird das Holz des Wacholders im Handwerk nicht mehr genutzt. Das war früher anders. Unsere Vorväter, die weder Kunst- noch Verbundstoffe kannten, schätzten die Eigenschaften des Wacholderholzes durchaus.

Das Holz des Wacholders ist sehr langsam gewachsen und es enthält kaum Harz. Dennoch ist es nicht sehr hart. Allein seine Zähigkeit erschwert die Verarbeitung in der Tischlerei.


Flöte aus Wacholderholz
Flöte aus Wacholderholz

Wacholderholz nutzte man deshalb in frühren Zeiten zur Herstellung von Druckstöcken, da es in der Lage war, Farbe aufzunehmen und wieder abzugeben.

Man verwendete frische Wacholderzweige wohl auch zum Binden und Flechten. Auf jeden Fall war es durch seine Zähigkeit ein ideales Material für Peitschenstiele und Fassreifen. Aus den Maserknollen des Wurzelholzes wurden schöne Pfeifenköpfe geschnitzt.

Eine besondere Bedeutung kam dem Holz im Schiffsbau zu. Aus dem zähen, wiederstandsfähigen Material wurden die Nagelverbindungen hergestellt.

Sommeiliermesser (Laguiole) -Werksfoto-
Sommeiliermesser (Laguiole) -Werksfoto-

Heute verwendet man das Holz des Wacholders vor allem in Frankreich zur Herstellung von Griffschalen für hochwertige Messer. Polen exportiert hölzerne Buttermesser, Schaber und andere Küchenhelfer in alle Welt. In den USA ist "Juniper wood" ein sehr beliebtes Möbel- und Furnierholz aus dem Holz des Westlichen Wacholders (Juniperus occidentalis), der mit unserem heimischen Wacholder eng verwandt ist.

Alles über den Baum des Jahres 2002

www.baum-des-jahres.de/archiv/hp/wacholder/index.html