Zur Mythologie des Wacholders

von Elke Schmidt-Ebi

Europäischer Wacholder (Juniperus communis)
Europäischer Wacholder (Juniperus communis)

Wacholder ist ein altbekanntes Räucherwerk. Jedoch denkt man in diesem Zusammenhang heute nur noch an das Haltbarmachen von Fleisch und Fisch. Räuchern hatte aber schon immer auch die Funktion von rituellen Handlungen. Der Rauch getrockneter Wacholderzweige und Beeren sollte böse Geister vertreiben. Als starker Träger der Lichtenergie sollen diese Räucherzeremonien die eigene Lebensenergie stärken, neue Würde verleihen und eine erhöhte Aufmerksamkeit bewirken. Wacholderrauch reinigt, zentriert, bringt Klarheit und neuen Mut - so beschreibt es ein Internetanbieter für Räucherzubehör.

Wacholder hat eine lange Tradition zur Reinigung von Krankenstuben. Ob man nun die Zweige verbrennt und der Rauch die Krankheit vertreibt oder ob man Rubine in Kadeöl, das aus Wacholderholz destilliert wird, taucht und damit Kreise um die Krankenlager zieht, all dies zeigt die große Bedeutung dieses Baumes die bereits seit dem alten Ägypten in der Medizin dokumentiert ist.

Butterherstellung im Mittelalter
Butterherstellung im Mittelalter

Im Butterfass benutzte man Rührstecken aus Wacholderholz, damit die böse Nachbarin das Buttern nicht verhindern konnte. Vielleicht war es jedoch nur die antibakterielle Wirkung des Holzes. Ebenso band der Fassbinder Streifen von Wacholderholz in Wasser- und Trinkgefäße mit ein, zum Schutz vor "bösem Zauber".

Am Mittelrhein ist es wohl Brauch, dass Weinwirtschaften, die nur eigenen Wein verkaufen, mit einem Wacholderbusch für die Reinheit und gute Beschaffenheit ihres Produktes werben.