Ausschnitt aus "Wanderbares Rheinland"

Die folgende Wanderwegbeschreibung ist ein Ausschnitt aus dem soeben erschienenen Band 6 der Reihe "Lust auf Natur?" - Wanderbares Rheinland von Ulrich Siewers.
Verlag Edition Lempertz, Königswinter, ISBN 3-9370-77-5 (neu ISBN 978-3-933070-77-7), 15,00 EURO

Die Heide ruft


Der Wacholderwanderweg bei Langscheid

Die Wacholderheiden bei Arft und Langscheid in der Osteifel sind längst ein Geheimtipp für ambitionierte Erlebniswanderer und Naturfreunde. Schließlich sind sie letzte Zeugnisse einer Jahrhunderte alten Landnutzung durch die Menschen in der Region.

Start und Ziel unserer Rundwanderung ist der Wanderparkplatz unterhalb der "Wacholderhütte" auf dem Wabelsberg (555 m) am Rande des Dörfchens Langscheid. Bevor wir losmarschieren, genießen wir den herrlichen Blick auf die Vulkankegel Hohe Rain, Gänsehals und den Hochsimmer, die mit 583 m ü. N.N. höchste Erhebung der östlichen Vulkaneifel. Unser Weg ist mit dem grünen Wacholderstrauch auf weißem Grund markiert. (Anmerkung: Im Sommer 2006 gibt es Planungen, die Route an einigen Stellen zu verlegen. Beachten Sie deshalb auch bitte die Kartenskizze zu dieser Tour).

Nach einem verheerenden Waldbrand entstand auf dem südlichen Teil des Wabelsberges eine Kahlfläche, die beste Voraussetzungen für die Entwicklung einer neuen Heidelandschaft bietet. Zu diesem Zweck wurden im Frühjahr 2006 die verbliebenen Reste des Kiefernwaldes weitgehend ausgelichtet, um den verbliebenen Wacholderbeständen in den kommenden Jahren neuen Lebensraum zu schaffen (Info-Tafel am Weg).

Nach einigen hundert Metern stoßen wir auf einen befestigten Wirtschaftsweg, auf dem wir etwa einen Kilometer nach Nordwesten wandern. An der markanten Wegekreuzung mit dem Basaltkreuz geht es dann nach rechts (Wegweiser) hinauf bis zum Rand einer Douglasienkultur und scharf links weiter auf die Höhe des Büschberges (587 m). Der hier vorhandene Wacholderbestand gilt als sehr gefährdet. Nachdem wir den schönen Ausblick genossen haben, geht es am "Hangar" des Modellflugplatzgeländes wieder hinunter auf den Wirtschaftsweg. Die uns umgebende Blütenpracht im Sommer ist beeindruckend: Nach der Blüte des goldgelb leuchtenden Ginster, auch "Eifelgold" genannt, zeigen die Wildrosen ihre volle Pracht. Der betörende Duft ihrer rosafarbenen Blütenblätter zieht zahllose Käfer und Bienen in seinen Bann und an den purpurfarbenen Blüten des hochaufragenden Fingerhuts saugen pelzbesetzte Hummeln den süßen Nektar der ansonsten giftigen Pflanze.

Wir folgen erneut dem asphaltierten Weg nach Nordwesten. Das im Jahr 1984 von Fritzdorfer Wallfahrern errichtete Holzkreuz an der Wegekreuzung verrät uns, dass an dieser Stelle alljährlich die Pilger auf ihrem Weg nach St. Jost im Nitztal vorbeikommen und kurze Rast für ein Gebet einlegen. An "Weihnachtsbaumplantagen" und dunklen Douglasienbeständen geht es allmählich bergauf. Auf der kleinen Lichtung dazwischen leuchtet im Sommer vereinzelt dottergelb blühende Arnika. Diese seltene Blume, deren heilbringenden Wirkstoffe bereits Hildegard von Bingen beschrieb, ist streng geschützt. Wer sie ausgräbt, um sie vielleicht im heimischen Garten anzusiedeln, riskiert nicht nur eine saftige Geldstrafe, sondern müht sich auch vergeblich. Wie die meisten seltenen und deshalb geschützten Pflanzen entlang unserer Wanderroute gedeiht Arnika nur an ganz bestimmten Standorten. Im nächsten Douglasienwäldchen folgen wir Wegweiser nach rechts zum Heidbüchel (601 m). Auf dem Hügel befindet sich eines der schönsten Wacholdervorkommen der gesamten Eifelregion. Manche Wacholderbäume sind über 200 Jahre alt. Der Hügel liegt im Naturschutzgebiet und sollte wegen seiner einzigartigen Flora und Fauna nur im Rahmen einer Führung betreten werden. Der Wanderweg führt deshalb um den Heidbüchel herum und gibt unterwegs den Blick über das einsame Tal des Selbaches hinüber zum Fernmeldeturm auf dem Schöneberg (686 m) frei, dem markantesten Orientierungspunkt der Osteifel. >BILD Heidbüchel< Einsam und still ist es hier oben. Nur das auf und abschwellende Geräusch der Motoren, das an einen Bienenschwarmerinnert verrät uns an den Wochenenden, dass die Nordschleife des Nürburgrings nicht allzu weit entfernt liegt.

Doch Idylle hat auch Schattenseiten. Zum einen sind die Bestände des landschaftsprägenden "Machandelbaumes" erheblich durch den Wacholderostpilz in Mitleidenschaft gezogen, zu anderen fehlt der notwendige Nachwuchs. Im Frühjahr 2006 wurden gerade einmal drei "Babys" auf dem Heidbüchel gezählt! >BILD Wacholderbabys< Schuld daran sind u.a. Beschattung durch schneller wachsende Pflanzen, die fortschreitende Stickstoffbelastung des Bodens (z.B. durch Niederschläge) und der Verbiss der noch weichen Jungpflanzentriebe durch Wild- und Weidetiere. Hier helfen wirklich nur noch die von Naturliebhabern oft als zu radikal empfundenen Schutzmaßnahmen der Fachleute.

Der Wanderweg führt uns um den Berg herum und anschließend ein kurzes Stück auf gleichem Weg zurück durch einen "Korridor", der die beiden Biotope "Heidbüchel" und "Rassberg" miteinander "vernetzt", damit sie in den kommenden Jahren wieder zu einer ursprünglichen Heidelandschaft zusammenwachsen. Wir wandern oberhalb des Skigebietes am Rassberg weiter in südwestlicher Richtung. Unterwegs genießen wir die wunderbare Aussicht auf die von Vulkankuppen geprägte Landschaft der Vordereifel und die Dörfer Langenfeld und Arft. Bei guter Sicht reicht der Blick bis auf die Höhen des Westerwaldes und des Hunsrücks. Am Rand des Parkplatzes biegen wir nach rechts hinauf zum Rassberg ab, um einen weiteren Höhepunkt  unserer Tour zu erleben. Links des "Adenauer-Wegs" erstreckt erneut eine typische Wacholderheide, dazwischen zahlreiche vom Wind und Wetter kurios gestaltete Nadelbäume. Über allem erhebt sich der Radarturm der amerikanischen Luftstreitkräfte, ein letztes Relikt aus der Ära des "Kalten Krieges". Rechts vom Weg zeugt eine Vielzahl von typischen Feldgehölzen deutlich die Leistungen des angewandten Landschaftsschutzes. Dennoch bleibt auch in dieser Landschaftsidylle noch einiges für die Naturschützer zu tun. Die rotleuchtenden Zweige der Wacholderbäume am Wegesrand zeigen dies deutlich. Hinter dem Adenauer-Gedenkstein - der erste Kanzler der Bundesrepublik war ein großer Freund und Förderer der letzten Wacholderheiden der Osteifel - überqueren die Straße und gelangen in den "Dr.-Heinrich-Menke-Park", das mit 25 Hektar größte Wacholderschutzgebiet von Rheinland-Pfalz. Es ist nach einem Koblenzer Biologen benannt, der sich bereits vor dem II. Weltkrieg vehement für die Erhaltung der Wacholdervorkommen in der Osteifel eingesetzt hat. An der Nordseite gibt es einen wunderbaren Blick hinüber zur Hohen Acht, dem mit 747 Metern höchsten Gipfel der Eifel. >BILD Hohe Acht< Nachdem wir das Wald- und Heidegelände in einer großen Schleife durchquert haben, erreichen wir wieder den Parkplatz am Fuß des Rassbergs.

Wir folgen jetzt unserem Wegesymbol nach rechts in südlicher Richtung, bis wir im großen Bogen wieder auf die Straße in Richtung Arft stoßen. Hier steht abermals ein geschnitzter Wegweiser, der uns nach rechts zum Wolfsberg führt, einem weiteren Kleinod auf unserem Weg. Zurück zur Straße geht es auf dem gleichen Weg. Dort angelangt folgen wir ihr ein kurzes Stück talabwärts bis zum ersten Weg, der nach links abbiegt. An der Grillhütte vorbei erreichen wir kurze Zeit später die Wintersportanlage von Arft. Die Wegemarkierung führt uns von dort wieder am Kreuz der Wallfahrer vorbei zu einer Wegespinne. Wir halten uns halb links, lassen den Modellflugplatz rechts liegen und erreichen die Höhe des Büschbergs. Wieder entschädigt uns ein wunderbarer Blick für die kleine Mühe.

Von jetzt an geht es der Wegemarkierung nach bergab. Nachdem wir unseren Hinweg gekreuzt haben, wandern wir am Berghang entlang durch kühlen Laubwald bis nach Langscheid. Der kleine Eifelort ist wirklich sehenswert. Unter einer Dorflinde laden Bänke zur Rast ein und die Menschen zeigen sich besonders freundlich gegenüber uns Wanderern. Dahinter biegen wir nach links ab. Nach kurzem Anstieg durch die blitzsauberen Gassen an der Dorfkapelle vorbei erreichen wir unseren Ausgangspunkt, die "Wabelsberger Wacholderhütte". Auf der Sonnenterrasse lassen wir uns nieder und genießen bei einem kühlen Bier den Panoramablick auf die einzigartige Vulkanlandschaft der Vordereifel.


Start/ Ziel
Parkplatz bei der "Wabelsberger Wacholderhütte" in Langscheid
Distanz
15 Kilometer
Schwierigkeitsgrad
leicht, bei jedem Wetter begehbar
Einkehrmöglichkeiten
Wabelsberger Wacholderhütte in Langscheid, ganzjährig bewirtschaftet (Tel. 026 55 - 15 77  mo/di geschlossen)

Information
Information
Wanderkarte Nr. 32 des Eifelvereins 1 : 25 000 "Osteifel und Laacher See"
Verbandsgemeinde Vordereifel
Touristikbüro
Sonja Simon
Kelbergerstraße 26
56727 Mayen
Tel.: (0 2651) 80 09-59
Fax: (0 2651) 80 09-20
E-Mail: tourismus@vordereifel.de
Homepage: www.tourismus.vordereifel.de
Anfahrt:
Aus dem Großraum Köln/Aachen: Autobahn A1 - Anschlussstelle Blankenheim - Richtung Nürburgring - Ahrhütte - links Bundesstraße B258 - Nürburgring - Döttinger Höhe - links Richtung Brohl-Lützing - Bundesstraße B412 - nach 6 km rechts Landstraße L10 Richtung Mayen - in Langenfeld links abbiegen Richtung Langscheid - im Ort der Ausschilderung Wacholderhütte nach links bergauf folgen
Vom Rhein: Autobahn A61 Anschlussstelle Wehr/Nürburgring - Bundesstraße B412 - Richtung Nürburgring - hinter Hohenleimbach nach 3 km links - nach 6 km links Landstraße L10 Richtung Mayen - in Langenfeld links abbiegen Richtung Langscheid - im Ort der Ausschilderung Wacholderhütte nach links bergauf folgen
Von der Mosel: Autobahn A1/A48 Anschlussstelle Ulmen - Richtung Nürburgring - hinter Müllenbach rechts 100 m - links Richtung Nürburgring - rechts Bundesstraße B258 - Nürburgring - Döttinger Höhe - links Richtung Brohl-Lützing- Bundesstraße B412 - 6 km - nach 6 km rechts Landstraße L10 Richtung Mayen - in Langenfeld links abbiegen Richtung Langscheid - im Ort der Ausschilderung Wacholderhütte nach links bergauf folgen
Tipp:
Eine Wanderkarte im pdf-Format (und viele weitere interessante und nützliche Informationen) gibt es im Internet unter www.tourismus.vordereifel.de