Beweidungskonzept für die Wacholderheiden der Osteifel zum herunterladen (PDF)

Rasenmäher auf vier Beinen

Seit Jahrhunderten beweiden Nutztiere die Borstgraswiesen und Heideflächen der Osteifel. Sie haben das Landschaftsbild entscheidend mitgeprägt. Die Meinungen darüber, welche Weidetierart die Richtige ist, gehen heute weit auseinander. Ein spezielles Beweidungskonzept soll diese und andere Fragen klären.

Auf das richtige Konzept kommt es an

Um das große Ziel, die Wacholderweiden der Osteifel für künftige Generationen zu erhalten, wird zur Zeit an einem optimalen Beweidungskonzept gearbeitet. Sowohl die Erfahrungen der Vergangenheit als auch die neuesten Erkenntnisse der Forschung fließen dabei in die Überlegungen ein.

Auch die berechtigten Bedenken der Jagdpächter werden berücksichtigt, denn gefährliche Krankheiten wie Pseudotuberkulose, Q-Fieber oder Moderhinke werden auch auf das heimische Schalenwild (Rotwild, Rehe, Muffelwild, Wildschwein) übertragen.

Deshalb werden im Bereich des LIFE-Projektes nur solche Tiere zum Einsatz gelangen, die aus Herden stammen, die der tierärztlichen Kontrolle unterliegen. Es wird zur Zeit geprüft, ob die selektive Beweidung durch besonders geeignete Schafrassen (z.B. das Fuchsschaf, auch Eifelschaf genannt) effektiver erfolgen kann als bisher. Auch die Zuverlässigkeit der Tierhalter spielt eine wichtige Rolle bei der Auftragsvergabe.

Einsatz von Fuchsschafen in der Landschaftspflege am Kindgen bei Arft (VG Vordereifel, Kreis Mayen-Koblenz) © Ulrich Siewers
Einsatz von Fuchsschafen in der Landschaftspflege am Kindgen bei Arft (VG Vordereifel, Kreis Mayen-Koblenz) © Ulrich Siewers

Ebenso wichtig wie die Tierart ist der Zeitraum der Beweidung und die Dichte des Besatzes. Erfahrungen haben gezeigt, dass Überweidung eher schadet als Nutzen bringt.


Aus Erfahrungen lernen

Die Waldweide mit Rindern, Pferden, Schafen, Ziegen und Schweinen wird in der Eifel seit Jahrhunderten betrieben. Bereits aus mittelalterlichen Berichten geht hervor, dass sie stets problematisch war. Zur Zeit finden in einigen europäischen Nachbarländern wissenschaftlich begleitete Projekte zur Erforschung dieser natürlichen Waldnutzung statt. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Beweidung durch Hausrinder eher nicht geeignet ist. Vor allem Berichte über massive Trittschäden und Verbiss erhaltenswerter Pflanzensubstanz lassen erkennen, dass diese Rassen eher weniger zur Biotop-Pflege im LIFE-Projekt geeignet sind.

Einsatz von Rindern in der Landschaftspflege bei Hohenleimbach (VG Brohltal, Kreis Ahrweiler © Ulrich Siewers
Einsatz von Rindern in der Landschaftspflege bei Hohenleimbach (VG Brohltal, Kreis Ahrweiler © Ulrich Siewers

Der Einsatz von Island-Ponys im schneereichen Winter 2005/2006 im Bereich Arft hat gezeigt, dass diese an Kälte gewöhnten Tiere sogar die mit Dornen bewehrten Triebe der Brombeere nicht verschmähen. Problematisch hingegen bleiben die Ausscheidungen der Tiere, die als natürlicher Dünger im Frühling eben diesen stickstoffliebenden Pflanzen neue Nahrung liefern und somit deren Verbreitung fördern.

Einsatz von Ponys in der Landschaftspflege bei Arft (VG Vordereifel, Kreis Mayen-Koblenz) © Ulrich Siewers
Einsatz von Ponys in der Landschaftspflege bei Arft (VG Vordereifel, Kreis Mayen-Koblenz) © Ulrich Siewers

Gegen den unkontrollierten Einsatz von Schafen bei der Beweidung sprechen sich insbesondere im Naturschutz engagierte Jagdpächter aus. Neben der Gefährdung des Wildes durch eingeschleppte Krankheiten weisen sie auf gravierende Veränderungen in den Borstgrasweiden hin. Tatsächlich findet man später an Stellen, wo die Schäfer bei Nacht ihre Herden im Pferch gehalten haben, üppigen Wuchs standortfremder Gräser und Pflanzen. Zurückzuführen sind diese auf den verstärkten Eintrag von Fäkalien (Stickstoffdüngung) und den Sameneintrag durch Zusatzfutter (Heuballen).

Am Futterplatz wachsen nach der Schafbeweidung standortfremde Gräser Waberner Heide bei Weibern (VG Brohltal, Kreis Ahrweiler) © Ulrich Siewers
Am Futterplatz wachsen nach der Schafbeweidung standortfremde Gräser Waberner Heide bei Weibern (VG Brohltal, Kreis Ahrweiler) © Ulrich Siewers

Ferdi Liemersdorf, Gutsverwalter des Waldgutes Schirmau, Landwirt und selbst passionierter Jäger, hat gute Erfahrungen gemacht. Er praktiziert seit einiger Zeit in der Wacholderheide am Weiselstein bei Schalkenbach die Beweidung durch Milchziegen. Die genügsamen Tiere sind gute Futterverwerter und verbeißen vor allem die Jungtriebe von Birken und Kiefern. Selbst der stachelige Wacholder wird angenommen, was diesem offensichtlich nicht schadet. Die Ziegen verbringen zudem die Nächte im Stall, was den erhöhten Fäkalieneintrag auf ein vertretbares Maß reduziert.

Heimkehr der Ziegenherde von der Weide - Waldgut Schirmau (VG Brohltal, Kreis Ahrweiler) © Ulrich Siewers
Heimkehr der Ziegenherde von der Weide - Waldgut Schirmau (VG Brohltal, Kreis Ahrweiler) © Ulrich Siewers
Am Weiselstein sind die Erfolge des Beweidungskonzeptes unübersehbar - Waldgut Schirmau (VG Brohltal, Kreis Ahrweiler) © Ulrich Siewers
Am Weiselstein sind die Erfolge des Beweidungskonzeptes unübersehbar - Waldgut Schirmau (VG Brohltal, Kreis Ahrweiler) © Ulrich Siewers